happiness is a warm gun

Die ersten 5 Monate meines zweiten Lebens als Fotograf waren gespickt mit unzähligen glücklichen Momenten. Vor, hinter und ohne Kamera. Es waren Monate voll von Leben, Magie, Kreativität, Freude, Musik, Begegnungen, Spannung, Wissensdurst. Ein Aufbruch zu neuen Ufern mit Updates für vieles, vor allem aber für mich. Die Eiszeit schien zu Ende …

Peter R. Schwegler in seinem Behandlungszimmer während der Laserbehandlung

Am 24. April bin ich in meiner alten Heimat am Zürichsee. Es ist ein warmer Frühlingstag und in einem wunderschönen alten Bauernhaus, voll mit Kunst, unzähligen Erinnerungen an ein bewegtes Leben, thailändischen Altären und einer Märklin Modelleisenbahn, fotografiere für den Blog «Dein Adieu» Peter R. Schwegler. Durch ein Melanom verlor Peter sein linkes Auge und der Krebs bedroht wieder. Jetzt die Zunge und nicht nur das.
Knapp einen Monat später treffe ich Peter wieder in einem Hotel in Lauenförde. Zusammen mit dem Autor Martin Schuppli begleiten wir ihn und am nächsten Tag soll ich fotografieren, wie er sich einer photodynamischen Therapie unterzieht, wie mit Laser der Krebs «erschossen» wird. Eine Herausforderung für mich und zwar in jeder Beziehung. Nicht das erste Mal an diesem Tag und nicht das letzte Mal in den folgenden Tagen frage ich mich, ob ich mir das auch antun würde.

 Am 22. Mai sind wir wieder in Kassel. Dort wo der Nazi lebt, der knapp 14 Tage später einen Politiker erschiessen wird, welcher sich für Flüchtlinge eingesetzt hat …

... für einmal vor dem Auslöser ...

Schon lange vorher freue ich mich auf den 3. Mai. An diesem Tag würde ich die Hochzeit von Kim und Daniela fotografieren dürfen. Meine Vorbereitungen für diesen Auftrag sind äusserst seriös. Batterien, Akkus, Blitze, Kameras. Alles mehr als einmal vorhanden und was ich nicht habe, miete ich dazu. Ich bin, wie es sich für einen tauchenden Fotografen gehört, redundant aufgestellt. Doch ein Problem habe ich wenige Tage vor der Hochzeit noch immer. Was soll ich anziehen?
Meine roten, gelben oder meine hellen Jeans sind zwar gewaschen, aber die «gehen gar nicht»! Noch heute erinnere ich mich an jenen Tag im März 1983, als mir wegen fehlender Krawatte der Zutritt in den Nationalratssaal verweigert wurde und da Kleider nicht nur Leute, sondern auch Fotografen machen habe ich eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder sofort vom Blitz erschlagen werden oder auf meine Lieblingsmodeberaterin hoffen. Danke Manu, nicht nur für diese Beratung.

 Am gleichen 27. April wird eine Umfrage veröffentlicht, in der sich 78 % der FDP-Mitglieder dafür aussprechen, dass sich ihre Partei in Zukunft «ganz generell» mehr für Klima- und Umweltschutz einsetzen soll …

... voll offene Blende und Blitz Profoto A1 ...

Das zärtliche, gewagt hemmungslose Spiel mit meinen spiegellosen und vollformatigen «Z’s» im Zusammenspiel mit den neuen A1 hat mich voll in seinen Bann gezogen. Nicht in meinen übermütigsten Träumen habe ich mir je vorstellen können, dass ich am 14. Juni mit dem zweiten Blitz von Profoto meine gesamte Fotoausrüstung innerhalb von 5 Monaten von 12 Jahre alt und voll «strange» auf den neusten Stand und voll «cool» würde bringen könnte. Es waren, sind und bleiben magische Momente, die ich mit viel Demut, ganz viel Dankbarkeit und mit lausbübischem Übermut geniessen darf.

Wie auch jene Momente am E-Prix, mit Martin beim Bilder aufhängen in Walenstadt, zusammen mit Anisch & the PowerDanceGroup, hinten auf dem Lastwagen zusammen mit der Ghüderfrau oder beim Konzert der Gardeners@Westside. Und ja, die grösste Party von Bern, als YB den Meistertitel zusammen mit den Fans feierte, war auch dabei.

 Am 26. Mai war übrigens auch die Europawahl. Einige Stunden später wird eine Frau unter äusserst tatkräftiger Mithilfe durch ihren Vorgänger weggemobbt sein …

... auf der Jagd und immer hungrig ...

Nach vielen Terminen im Inselspital wird am 28. Mai aus der vorläufig provisorischen eine endgültige Diagnose. Ich habe Prostatakrebs. Der schon lange erwartete Tiefschlag mitten in den Magen, mitten in mein Leben, ist Realität geworden. Und ehrlich, gross erstaunt hat mich das nicht. Eigentlich passt es ja auch total zu mir und meinem Lebenslauf. Warum sollte gerade ich einmal für längere Zeit privat zufrieden und beruflich glücklich sein dürfen?
Was ich zu Anfang mit reflektieren, Gelassenheit und dem mir eigenen Sarkasmus verarbeiten konnte, hat mich letzte Woche mit voller Wucht eingeholt und einmal mehr aus der Bahn geworfen. Rien ne vas plus! Ich bin erschöpft und mag nicht mehr kämpfen.

Das Leben ist nicht fair und happiness is a warm gun – yes it is …

 Am 29. Juni wird Carola Rackete, die Kapitänin des Flüchtlings-Rettungsschiffs «Sea-Watch 3», nach dem Andocken im Hafen der italienischen Insel Lampedusa festgenommen …

© 2019 I Ueli Hiltpold I Schützenweg 9 I CH-3123 Belp I +41 79 302 11 30 I contact

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toll: wir spielen sozialhilfe kürzen!

Am 19. Mai 2019 stimmen wir im Kanton Bern über die Revision des Sozialhilfegesetzes (SHG) ab …
Teil 4: Viel Wut, Geld und Leben.

Wenn ich den Begriff Volksvertretung richtig interpretiere, müsste ein Parlament eigentlich die paritätische und ausgewogene Vertretung aller Gesellschaftsschichten sein.
Wie ich, haben ParlamentarierInnen einen Job auf Abruf und so finde ich wenigstens eine Gemeinsamkeit. Trotzdem frage ich mich, wie viele von Ihnen, geschätzte ParlamentarierInnen, wirklich eine Ahnung davon haben, wie es unten im Fussvolk so zu und her geht? Wie die Mühlen so mahlen, wenn ein Leben von jetzt auf sofort nicht mehr so ist, wie es war? Wie es ist, wenn man plötzlich fremd ist?

Meine ganz persönliche Erfahrung ist, dass die Meisten – ganz egal ob rechts, links, liberal, grün oder grünliberal – weder eine Ahnung davon haben, noch das Interesse dafür aufbringen wollen.
Parteistrategie, Ideologien, Lobbyismus, Selbstverwirklichung, Egoismus und berufliches Vorwärtsstrampeln kommen zuerst und dann ganz, ganz lange nichts mehr.

damit sich arbeit lohnt ...

Natürlich ist das Gleichgewicht aus den Fugen geraten. Schon lange, spätestens aber 2008, als die Finanz- und Bankenblase implodiert ist, hätte man dies merken müssen, merken sollen. Vor lauter Ideenlosigkeit, Lobbyismus, und Fraktionszwang hat man aber lieber so weiter gemacht, als sei nichts geschehen.
Das Primat der Aktienkurse und Dividendenausschüttungen ist schon lange wichtiger als das Primat der Politik. Schon so lange wichtiger als eine sozialkompetente, nachhaltig aufgestellte Arbeitswelt. Papiere und ganz dunkelbraune Zungen sind wichtiger als Wissen, Allgemeinbildung, Können und Erfahrung. Die Auslagerung von Produktion und Kundenservice, sowie Arbeit auf Abruf bestimmen die wirtschaftliche Wertschätzung eines Arbeitnehmers.
Notabene in einer Arbeitswelt, in der Roboter und Künstliche Intelligenz in einem rasanten Tempo Einzug halten.
Wie grandios recht Sie haben, liebe Frau SVP Gemeindepräsidentin und vielleicht wäre es endlich Zeit, die Löhne des Fussvolkes anzupassen. Es hat wirklich lange gedauert bis die Einsicht «Es darf doch nicht sein, dass jemand mit Sozialhilfe mehr verdient als mit Lohn für seine Arbeit» bei den so volksnahen Lobbyisten der bernischen und der schweizerischen (Volks)Wirtschaft angekommen ist.

Und wenn es dieses Mal nicht klappt, dann klappt es vielleicht, wenn Künstliche Intelligenz die Mehrheit im Parlament hat.

blosse existenz und soziales leben …
sozialhilfeblog04
Grundbedarf.

Das Budget, welches die JA-Sager verwenden ist einfach gigantisch. Ein wenig mehr als CHF 900.00 im Monat oder genau CHF 29.80 pro Tag für den Grundbedarf. Viel Geld, wenn man nur die nackte Zahl anschaut und sogar CHF 5.80 mehr als die Mittagsmahlzeitentschädigung, welche Ratsmitglieder für einen Sessionstag erhalten (GR-Infobroschüre; Auslagenersatz/Spesen, Art. 1238 GO, Seite 29).

Und Sie wissen sicher aus eigener Erfahrung, dass «mit diesen Kürzungen den Empfängerinnen und Empfängern nicht nur die blosse Existenz, sondern auch eine Teilnahme am sozialen Leben möglich» ist, liebe Frau BDP Grossrätin.

Da die monatlichen Ausgaben für Freizeit, Sport, Unterhaltung, Bildung mit CHF 134.30 und diejenigen für Verkehr mit CHF 50.60 im gleichen Budget budgetiert sind, kann ich mir im August spielend 2 Tagesstehplatzpässe à CHF 50.00 (Sitzplätze überschreiten das Budget) inklusive Hin-und Rückfahrt im Zug à CHF 65.00 für das Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug kaufen. Übernachten kann ich ja im Schlafsack und gratis irgendwo am Seeufer. So bin ich immer noch CHF 19.90 unter dem Budget und ich kann mir jeden Tag eine Bratwurst und ein alkoholfreies Bier als Verpflegung leisten.

amtssprache und grundbedarf …

Aber eigentlich geht es ja bei der Revision des Sozialhilfegesetzes gar nicht um die Sozialhilfe, sondern einmal mehr um Immigration und Überfremdung. Mit Ihrer Aussage, «die Sprache ist ein zentraler Faktor in der Integration» treffen Sie direkt mitten ins Schwarze, lieber Herr FDP Gemeinderat Ressort Soziales. Doch was Sie sicher ganz bewusst verschweigen, ist die Grundbedarfskürzung von maximal 30%, für jene, die nicht innert 6 Monaten das Niveau A1 in einer Landessprache erreicht haben.

Ausgenommen davon sind natürlich die Maurer mit blonden Haaren. Aber nur die hellhäutigen mit sauberen Kleidern und Händen. Die brauchen wir nämlich, damit wir uns einmauern können. So können dann fast alle in Sicherheit aber ohne Artenvielfalt in FREIHEIT und mit Knarre im Biotop Bern leben.

Diese Gross- und Regierungsrätliche Arroganz macht mich einfach nur noch wütend. Ich habe eine Stinkwut! Die Revision des bernischen Sozialhilfegesetzes ist menschenverachtend, asozial und steht auch im klaren Widerspruch zum so hochgelobten schweizerischen Föderalismus! Vor allem wenn man bedenkt, dass der Kanton Bern mit CHF 1’172.00 der grösste Nehmerkanton beim kantonalen Finanzausgleich ist (NZZ vom 19.6.2018).
Darum gibt es für mich am 19. Mai nur eine Antwort: NEIN!

persönliche anmerkung aus der sozialen hängematte

In den 4 Teilen von «Toll: Wir spielen Sozialhilfe kürzen!» bin ich zum Teil sehr polemisch und bin mir dessen durchaus bewusst. Falls sich jemand von mir persönlich angegriffen fühlt, möchte ich mich dafür entschuldigen. Das war nicht meine Absicht.

Ich bin aber zu enttäuscht von dem, was Sie, geschätzte PolitikerInnen, aus diesem Land gemacht haben. Wo ist die humanitäre Tradition gegen innen und aussen geblieben? Was ist aus der Sozialen Marktwirtschaft und dem «Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden» geworden?

Ich hoffe, dass sich die Rechtskonservativen mit ihren bürgerlichen Mehrheitsbeschaffern artig für das politische Versagen bei Euch, Cüpli trinkenden, Sozialdemokraten bedankt haben. Der Klassenkampf ist schon lange vorbei. Nicht Umverteilung, sondern nachhaltiger Ausgleich ist das Zauberwort!

Ich kann mich tatsächlich beim Sozialdienst Belp abmelden und bin glücklich darüber. Dies aber ganz sicher nicht wegen all der «Anreize und der Zusammenarbeit mit den Sozialbehörden» wie Sie lieber Herr EDU Fraktionspräsident prophezeien.

Für all jene, die mir nicht glauben, lege ich gerne alles offen. Ich habe nichts zu verlieren!

Das ist der letzte Teil von «Toll: Wir spielen Sozialhilfe kürzen!»

    • Teil 1: Soziale Hängematte.
    • Teil 2: Würde, Sippenhaft und Ehrlichkeit.
    • Teil 3: Neid, Arbeit und Perspektive.

© 2019 I Ueli Hiltpold I Schützenweg9 I CH-3123 Belp I +41 79 302 11 30 I contact

toll: wie spielen sozialhilfe kürzen!

Am 19. Mai 2019 stimmen wir im Kanton Bern über die Revision des Sozialhilfegesetzes (SHG) ab …
Teil 3: Neid, Arbeit und Perspektive.

Nicht nur das Entleeren der Flugzeugtoilette stinkt hiergewaltig!

Nachdem ich im Verlauf des Jahres 2017 die meisten Psychopharmaka absetzen durfte, traf mich irgendwann die Hoffnungslosigkeit meines Lebens wie ein Dampfhammer. Von den mir wichtigen Beziehungen blieb nur ein grosser Scherbenhaufen übrig und in meinem Beruf kam ich keinen Schritt weiter. So zu leben, war für mich keine Perspektive und lebensunwert!

Klar, ich hatte zwar eine obercoole und nicht alltägliche Arbeit, aber Überstunden zu machen lohnte sich nicht, da der Mehrverdienst sofort wieder an meiner Sozialhilfe angerechnet wurde und ich auf dem immer gleichen Einkommen sitzen blieb. Auch meine Arbeit so gut, wie es halt ging, zu machen und Einsatz zu zeigen, lohnte sich nicht. Ich hatte mich bei meinem Arbeitgeber auf alles beworben, auf was ich mich bewerben konnte und das Ergebnis war niederschmetternd. Als Stundenlöhner, Nichthandwerker und Nichtfeuerwehrmann hatte ich für nichts eine Chance. Denn jede Stunde, die ich dann zusätzlich hätte arbeiten können, hätte ja auch zusätzlich Geld gekostet. Wie ich es auch anstellte und drehte, schlussendlich konnte und durfte ich mein Einkommen nicht verbessern.

Als dann noch eine Frühpensionierung mit ins Spiel gebracht wurde, sah ich beim besten Willen keinen Ausweg mehr aus meiner Einbahnstrasse, die auf dem Abstellgleiss enden würde.

Etwa im März 2018 wurde ich dann trotzt allem ein wenig zu übermütig und spielte mit dem Gedanken, meine Anstellung zu künden und noch einmal ganz von vorne anzufangen. Die Konsequenzen, die ich wegen eines solchen Schrittes hätte tragen müssen und die mir von den verschiedenen Ämtern präsentiert wurden, wären aber viel zu gross und nicht zu stemmen gewesen und so blieb es bei einem ganz kurzfristigen, saublöden Gedanken.

Keine der Strategien, die ich zusammen mit meinem Psychiatrie-Spitex-Coach immer wieder von Neuem und in einer nie enden wollenden Endlosschlaufe durchkaute, hätte kurzfristig zu einer markanten Verbesserung meiner Lebensumstände geführt. Am Schluss blieb immer nur die finale Strategie übrig …

Jetzt zeigt sich aber ein ganz hell leuchtender Lichtstreifen am dunklen Horizonz der sozialen Hängematte und ich bin den InitiantInnen und BefürworterInnen der Änderung des Sozialhilfegesetzes wirklich sehr dankbar für ihre zukunftsweisenden und progressiven Ideen. Plötzlich und wie von Zauberhand eröffnen sich ungeahnte, noch nie dagewesene und der sozialen Marktwirtschaft angepasste Perspektiven: Sprachkurse, Zulagen, Prämien, Freibeträge, und vielleicht gar (auf Ende Jahr als grosses Weihnachtsgeschenk) noch ein Kooperationsbonus. Das grosse Sahnehäubchen all dieser grandiosen Ideen ist aber – das alles und noch viel, viel mehr wird gemacht, damit sich Arbeit lohnt …

Natürlich ist das Leben kein Ponyhof, auch nicht Bestandteil eines grossen «Wünsch Dir was» und Neid wäre wohl die böse Umschreibung dessen, was andere für meinen Gerechtigkeitssinn verwenden würden. Für mich und meine KollegInnen habe ich mich immer wieder vergebens für mehr Gerechtigkeit bei gleicher Leistung eingesetzt. Ging es nun zum Beispiel um die Bezahlung von Archivbildern (wie zum Beispiel diesem hier aus dem Jahr 2004, für das ich kein Honorar bekommen werde) oder um eine mehr oder weniger gerechte Verteilung der Arbeitsstunden unter Stundenlöhnern. Ja – am Schluss bleibt nur noch Neid, innere Emigration und leider die traurige Erfahrung, dass ich die einzige Person bin, der ich wirklich vertrauen kann …

Das nächste Mal geht es in „TOLL: Wir spielen Sozialhilfe kürzen!“ um viel Wut, Geld oder Leben.

willkommen in der sozialen hängematte

Momentan scheint Sozialhilfe in weite Ferne gerückt zu sein und ich bin unendlich froh über das, was ich in den letzten Monaten erreichen durfte. Wenn ich so weiterarbeiten und weitermachen kann, werde ich mich auf Ende Mai beim Sozialdienst Belp abmelden können.

April war für meine Verhältnisse in jeder Beziehung ein äusserst erfolgreicher und befriedigender Monat. Ich konnte erneut meinen Umsatz mit Fotografie steigern und erwirtschaftete CHF 2’449.50. Am 26. April hat mir meine Arbeitslosenkasse CHF 2’197.20 als Taggeld für März überwiesen. So viel Geld auf einem Haufen – meinem Konto – habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Zudem habe ich mir meine Pensionskasse auszahlen lassen und damit die Schulden getilgt, welche sich in den letzten 5 Monaten mit den Investitionen in meine Zukunft angehäuft haben. Das erste Mal seit Jahren habe ich keine Schulden mehr und alle Rechnungen sind pünktlich bezahlt. Ein super gutes Gefühl!

Für all jene, die mir nicht glauben, lege ich gerne alles offen. Ich habe nichts (mehr) zu verlieren!

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toll: wie spielen sozialhilfe kürzen!

Am 19. Mai 2019 stimmen wir im Kanton Bern über die Revision des Sozialhilfegesetzes (SHG) ab …
Teil 2: Würde, Sippenhaft und Ehrlichkeit.

Scham wurde zu einem ständigen Begleiter und ich bin fast daran zerbrochen!

Ich bin dankbar, dass ich 1959 in der freien Schweiz, im freien Teil Europas, geboren wurde und immer noch hier leben darf. Wäre ich dazumal anderswo, in Afrika, Südamerika, Asien oder hinter dem Eisernen Vorhang geboren, wäre ich wegen meinem kritischen Geist keine 30 Jahre alt geworden und wahrscheinlich in irgendeinem Stadion oder Gulag verrottet.
Und, ich glaube, ich weiss wovon ich spreche. 1986 war ich als ziemlich unfreier Fotograf das erste Mal in Moskau unterwegs. Ich war im Hotel Ruanda und habe in den Slums von Dhaka gelebt, die Kollateralschäden des Bürgerkrieges in Ex-Jugoslawien fotografiert, habe die offene Drogenszene im Letten und unzählige Flüchtlingslager anderswo und hier gesehen. Halt die ganze Scheisse, wenn Politiker wieder einmal versagt haben.

WÜRDE
Ohne meine ehemalige Lebenspartnerin, die mir immer wieder Bargeld zusteckte und mit mir den Monatseinkauf gemacht hat oder ohne das Entgegenkommen meines ehemaligen Vermieters, der mir die Miete für  meine Wohnung reduzierte, wäre ich finanziell nicht über die Runden gekommen.
Da ich mir die Gastgeschenke oder den gemeinsamen Restaurantbesuch nach dem Tauchen mit der Zeit nicht mehr leisten konnte, habe ich immer wieder neue Ausreden erfunden, um Einladungen oder verein-barten Terminen nicht nachkommen zu müssen. Wie tief ich gefallen war, merkte ich auch immer wieder von Neuem, wenn ich Abzahlungs-vereinbarungen für Steuern und andere offene Rechnungen aushan-delte oder den Sozialdienst für das Sponsoring eines Mountainbikes bitten musste.
Der Genussmensch, der sich für Kultur, Politik und Menschen interes-sierte war einmal. Ich habe mich vereinsamt und das soziale Leben fand meistens nur noch mit mir statt. Zum Glück gab es Rollläden. Licht und andere Menschen habe ich in dieser Zeit immer schwerer ertragen können.

Das Leben mit Sozialhilfe hat viel mit mir und meinem Selbstwertge-fühl gemacht. Scham wurde zu einem ständigen Begleiter und ich bin fast daran zerbrochen! Aus einem grosszügigen, positiv denkenden Menschen mit vielen Interessen ist in dieser Zeit ein rappenspaltender, negativ denkender Mensch geworden. Die Wut auf mich und meine Umwelt hat mich aufgefressen.

Für mich war es immer selbstverständlich, dass ich Eigenverantwortung trage, die Konsequenzen meines Handelns reflektiere und immer wieder das Beste aus einer Situation mache.
Darum hätte ich dazumal nie gedacht, dass ich so tief fallen kann, dass man mich so tief fallen lässt! Dazumal in einem anderen Leben als ich noch akkreditierter Bundeshausfotograf und offizieller Fotograf der Eidgenossenschaft (ja, das war ich einmal) war und im Bundeshaus und auch immer wieder im Berner Rathaus ein- und ausgegangen bin, als wäre es mein Zuhause.

Ein wenig mehr als 2 Jahre nach dem Mountainbike Unfall 2005, der mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat, versuchte ich am 8. Januar 2008 ein erstes Mal, mir Hilfe für meine berufliche Zukunft zu holen. Im Berufsberatungs- und Informationszentrum des Kantons Bern (BIZ)
hat man mir geraten eine Lehre im fotografischen Bereich zu machen.
Das war die ganze Hilfe – und ich war noch keine 50 Jahre alt …

Als es mit Aufträgen, mit dem Umsatz und meinem Selbstwertgefühl immer weiter bergab geht, melde ich mich beim RAV an und besuche am 14. Mai 2012 den obligatorischen Informationstag. In erster Linie denke ich noch nicht an finanzielle Unterstützung, sondern vor allem geht es mir und das Stellennetzwerk, welches mir ein RAV bieten könnte. Auch wenn ich als Selbstständiger immer ALV-Beiträge bezahlt habe, habe ich kein Anrecht auf die Leistungen einer Arbeitslosenkasse und damit auch kein Anrecht auf die Dienstleistungen eines RAV und so wird aus diesem Plan leider auch nichts. Das war die ganze Hilfe – und ich war noch keine 55 Jahre alt …

Sippenhaft
Wenn ich mich für eine günstigere Wohnung beworben habe, war beim Wort Sozialhilfe die Bewerbung schon erledigt. Begegnungen auf Augenhöhe von anderen mit mir als Sozialhilfeempfänger wurden selten und sehr oft wurde ich gefragt, warum ich nicht einer geregelten Arbeit nachgehe. Manche die wussten, dass ich Sozialhilfe beziehe, haben mich schräg angeschaut. Als ich ein neues iPhone «kaufte» oder mit dem neuen, vom Sozialdienst teilweise bezahlten Mountainbike auftauchte, hatte ich das Gefühl, dass hinter vorgehaltener Hand über mich gesprochen wurde.
Als ich letztes Jahr bei meiner Versicherung eine Mietkautionsver-sicherung abschliessen wollte, wurde mir diese wegen eines Schuld-scheins bei der gleichen Versicherung verweigert. Ich sah mich immer mehr als Randständigen und hatte das Gefühl, mich für Alles und Jedes rechtfertigen zu müssen. Das Stigma der Sozialhilfe begleitet mich die ganze Zeit.

Mit der geplanten Revision des Sozialhilfegesetzes wird die Schraube noch einmal angezogen, noch mehr Misstrauen gesät und das Funda-ment für eine Unterschicht definitiv zementiert …  vom Staat legali-sierte Sippenhaft halt. Mit der geplanten Revision beginnt das grosse gegeneinander ausspielen. Alt gegen Jung, Alleinerziehende gegen Familien, Alleinstehende gegen Paare, Schweizer gegen Migranten.
Die SozialarbeiterInnen auf den Sozialdiensten des Kanton Bern werden damit definitiv zu Verwaltern von Randständigen degradiert.

Zum Glück durfte ich ab 2009 am E-Learning Projekt/Portal der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe mitarbeiten. Das brachte ein wenig Stabilität. Aber nur für kurze Zeit. Anfang 2013 hatte ich nichts mehr, was ich auf ricardo.ch oder sonst wo zu Bargeld machen konnte und ich musste das erste Mal Sozialhilfe beantragen. Kurze Zeit nach der ersten Überweisung hatte ich nach über 500 Bewerbungen endlich Glück und durfte ich mich bei 2 Arbeitgebern vorstellen. Call-Center oder Flughafen … ich konnte am Schluss sogar auswählen.
Leider wird im Herbst 2013 bekannt, dass der Berner Home-Carrier nur haarscharf am Aus vorbeifliegt und mir gleichzeitig bewusst, dass ich einen Arbeitsvertrag auf Abruf habe. Die folgenden Monate bis zur fristlosen Kündigung meiner Mitarbeit am E-Learning Projekt/Portal im August 2015 überlebe ich. Mehr aber nicht.

Am 2. September 2015 ist dann endgültig fertig mit mir. Ich funktioniere nicht mehr und lande in der Psychiatrie. Da mein Stundenlohn gemäss Berner Skala nur für 2 Monate weiterausbezahlt wird, werde ich wieder für Sozialhilfe angemeldet. Ab Mai 2016 kann ich wieder, wenn auch nur sehr beschränkt, mit der Arbeit auf dem Berner Flughafen beginnen.
2017 erfüllt mir mein Sozialdienst einen grossen Wunsch und finanziert bei der Farb AG in Bern ein Bewerbungscoaching für mich. Ich bin stolz auf mich, dass ich bei meinem Wunsch hartnäckig geblieben bin und so voller Hoffnung. Nach 6 tollen Coachings bekomme ich eine neue Coachin. Diese beendet nach einer Sitzung das Coaching mit der Begründung, dass ich im Frühjahr 2021 sowieso frühpensioniert werde. Das war die ganze Hilfe – und ich war noch keine 59 Jahre alt …

Ehrlichkeit
Im Journal B habe ich erst kürzlich den Satz «Es gibt genug Menschen, die die Sozialwerke betrügen. Dagegen vorzugehen finde ich richtig» ge-lesen. Dieser Satz eines Sozialhilfeempfängers lässt mich nicht mehr los und zeigt, wie wir, die ganz am unteren Ende der Einkommensskala stehen, mittlerweile unter Druck stehen. Er zeigt aber auch, dass die Saat, die in den letzten Jahren pausenlos gesät wurde, am Aufgehen ist.
Wer definiert im Kontext mit den Sozialwerken eigentlich Betrug und was ist Betrug an den Sozialwerken? Ist es undeklariert zugestecktes Bargeld, sind es nicht geleistete Überstunden, sind es Mietzinse, die sich genau am Limit der Sozialhilfe ausrichten … vielleicht sind es einfach immer nur die Anderen, die uns Fremden?

Oder haben etwa die abertausenden von MitarbeiterInnen dieses aufge-blähten Sozialwerkeverwaltungsapparats ihren Job nicht richtig ge-macht?  Ich weiss, eine Pauschalisierung – herzlich willkommen in der sozialen Hängematte.

Das nächste Mal geht es in „TOLL: Wir spielen Sozialhilfe kürzen!“ um Neid, Arbeit und Perspektive.

willkommen in der sozialen hängematte

Im März habe ich mein Sozialhilfebudget bekommen. Rund CHF 2’100.00 pro Monat stehen mir gemäss Sozialdienst der Gemeinde Belp und der SKOS zur Verfügung. Rückwirkend für Februar 2019 hätte ich etwa CHF 700.00 bekommen. Meine persönliche Freiheit und meine Würde waren mir wichtiger und ich habe auf Sozialhilfe verzichtet.

Im März habe ich mit selbständiger Fotografie – also kein vom RAV vermittelter Job – einen Umsatz von CHF 1’879.95 erwirtschaftet. Bis heute Ostermontag, 22. April 2019, habe ich noch keine Arbeitslosen-unterstützung für März bekommen. Auch kein Schreiben, in dem mir begründet wird, wofür ich dieses Mal sanktioniert werde (alle Märzun-terlagen wurden von mir fristgerecht am 2. April bei meiner Arbeits-losenkasse eingereicht). Gemäss Verwaltungsapparat hätte ich jeden Monat durchschnittlich 21,7 Arbeitstage à CHF 80.00 Taggeld abzüglich Zwischenverdienst von meiner Arbeitslosenkasse zu gut.

Für all jene, die mir nicht glauben, lege ich gerne alles offen. Ich habe nichts mehr zu verlieren!

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toll: wir spielen sozialhilfe kürzen!

Am 19. Mai 2019 stimmen wir im Kanton Bern über die Revision des Sozialhilfegesetzes (SHG) ab …
Teil 1: Soziale Hängematte.

Seit 2013 habe ich mich immer wieder in der sozialen Hängematte ausgeruht und von Sozialhilfe gelebt. Wenn ich mal Ferien von der Hängematte nötig hatte, arbeitete ich auf Abruf und im Stundenlohn auf dem Berner Flughafen. Da mir das alles aber nicht genug war, suchte ich meinen ganz persönlichen Adrenalinkick und verbrachte einige Monate im Survival Camp im Psychiatriezentrum Münsingen.

Als dann im August 2018 die letzte einzig wirkliche schweizerische Fluggesellschaft zum letzten Mal landete, musste ich im Gegensatz zu meinen Arbeitskollegen und mit meinem Arbeitsvertrag auf Abruf glücklicherweise nicht in Kurzarbeit gehen. Darum war ich im Dezember 2018 wirklich dankbar, dass meinem inneren Wunsch entsprochen und ich per 31. Januar 2019 aus meinem Arbeitsvertrag entlassen wurde.
So durfte ich schlussendlich meinem Arbeitgeber auch helfen, Kosten einzusparen.

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Im Kerzenlicht ein Buch lesen.

Wegen all der Fehlanreize habe ich in der sozialen Hängematte momentan nicht immer genügend Zeit, mich um alle Absagen auf meine Bewerbungen zu kümmern. Seien diese Absagen nun ökologischer oder überqualifizierter Natur. Mit 60 und einem Lebenslauf mit vielen Brüchen, habe ich ja auch kein Recht, jemandem anderen den Job wegzunehmen und ein geregeltes Einkommen zu verdienen.

Zudem macht es mir auch viel mehr Spass, heruntergesetzte Produkte zu jagen oder im Kerzenlicht ein Buch zu lesen. So habe ich Ende Monat immer ein plus von einigen Franken auf meinem Konto und kann mir das Leben für den kommenden Monat komfortabel planen.

Auch bin ich persönlich sehr dankbar, wie der Fürsorgedirektor, ja die ganze Berner Kantonsregierung und die tragenden Parteien und Organisationen der Gesellschaft sich in einer bedinngugslosen Selbstaufopferung um mich kümmern und sie mir ermöglichten, das ich alle Bedingungen erfüllen durfte, damit ich vom bedingungslosen Grundeinkommen profitiere.

Mit grossem Engagement und Begeisterung legte ich pünktlich jeden Monat meine Daten auf den Tisch, begründete ich Bareinzahlungen, rechtfertigte ich Anschaffungen, kapitalisierte ich meine ungebundene Altersvorsorge und meine Anteilscheine, verzichtete ich auf teure Hobbies, kündigte ich unnötige Versicherungen, konnte ich endlich diese ungemühtlichen Termine beim Zahnarzt aufgeben, trug ohne Auto und Flugreisen zum Klimaschutz bei.
Dass ich mit diesem Staat, seinen Bewohnern und vor allem meiner Regierung und meinen Volksvertretern endlich so solidarisch sein durfte, war und ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Da ich das grosse Glück habe, in einem Land zu leben, dass für seine hohe Preisstabilität bewundert wird und ja generell die Ausgaben nicht steigen, die Mietkosten immer mehr in den Keller fallen und Vermieter mit grosser Freude auf Kaution verzichten, Mobilität vollkommen überbewertet wird und Leute wie ich ohne Probleme und sofort einen guten und hochbezahlten Job auf Abruf finden, unterstütze ich voll und ganz, dass man bei uns faulen Sacken endlich die Schraube anzieht. Wo kämen wir denn hin?

Eigentlich sollte man die Sozialhilfe ganz abschaffen und Menschen wie mich in einem Lager internieren. Vielleicht hat es auch noch Platz auf Madagaskar oder so … Das wäre eine Win-Win-Strategie.
Damit könnte man viel Geld einsparen und ich könnte endlich auch Sonne in meiner sozialen Hängematte geniessen.

In Artikel 9 der Berner Kantonsverfassung steht geschrieben «Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen». Wenig weiter oben steht in Artikel 7.3.b der gleichen Verfassung, dass nicht eingebürgert wird, wer «Leistungen der Sozialhilfe bezieht oder bezogene Leistungen nicht vollumfänglich zurückbezahlt hat». Viel weiter unten in Artikel 30.a steht «alle ihren Unterhalt durch Arbeit zu angemessenen Bedingungen bestreiten können, gegen die Folgen von unverschuldeter Arbeitslosigkeit geschützt sind und in den Genuss von bezahlten Ferien gelangen».

Das nächste Mal geht es in „TOLL: Wir spielen Sozialhilfe kürzen!“ um Würde, Sippenhaft und Ehrlichkeit.

willkommen in der sozialen hängematte

Von 2013 bis 2018 verdiente ich im Schnitt jeden Monat CHF 2’042.00; Feriengeld oder 13. Monatslohn eingerechnet. Mit der Sozialhilfe kam ich dann im Schnitt auf maximal CHF 2’700.00 pro Monat; eingerechnet Integrationszulage und Einkommensfreibetrag.

Im Moment versuche ich wieder in meinem angestammten Beruf als Fotograf Fuss zu fassen. 
Seit Februar 2019 beziehe ich Arbeitslosengeld, das erste Mal am 13.3.2019 CHF 1’098.35 für Februar 2019. Gegenwärtig muss ich mich nun gegenüber der ALK rechtfertigen, warum ich auf selbständiger Basis arbeite, Geld dazu verdiene und Sozialversicherungsbeiträge bezahle.

Für all jene, die mir nicht glauben, lege ich gerne alles offen. Ich habe nichts mehr zu verlieren!

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und täglich grüsst das murmeltier

Im Moment komme ich aus meinem ungläubigen Staunen nicht mehr raus. Vieles was gestern war, ist heute plötzlich wieder aktuell und viele Dinge, die ich schon lange als überwunden glaubte, sind immer noch nicht überwunden. Zurück in die Vergangenheit ist momentan der Leitspruch für die Zukunft …

Bilbo I: Majestät des Antiquitätengeschäfts in Walenstadt, das demnächst zu einem Reden- und Schreibladen wird.

Eigentlich begann alles damit, dass ich die super geniale, wirklich die Hammeridee hatte, einmal ein Bild zu veröffentlichen, was ich genau auf den Tag vor 25 Jahren fotografiert hatte. Irgendwie wusste ich noch, dass ich einmal über Schall geflogen bin.
Und ich wurde fündig in der unendlichen Tiefe und Weite meines Archivs, mit einem Bild einer British Airways Concorde. 1994 war das irgend so ein PR-Auftrag und es war wirklich cool, die Geschwindigkeitsanzeige über dem Mittelmeer in Richtung und über die magische Grenze klettern zu sehen.
Ein Auftrag halt wie immer. Viel Fun und gut bezahlt.

blog02
Nach dem Absturz in Gonesse bei Paris war die Zeit der Concorde vorbei.

Seit Monaten schon wird über all die Schüler und Jugendlichen gelästert, die wegen dem Klima streiken. Wie können es die nur wagen, die Schule und anderes zu schwänzen? Diese unverschämten und verwöhnten Wohlstandsschmarotzer! Diese lebensunerfahrenen Yuppies-Frühlese! Gerade jetzt, wo E-Mobility in aller Mund ist und unsere Politiker und andere Lobbyisten, die Weichen für die Zukunft unserer Mobilität und damit für unser Klima stellen? Und sicher werden sie noch von irgendwelchen dubiosen Organisationen fürs Streiken bezahlt oder von Russland aus gesteuert.

Aber ist es nicht das Vorrecht der Jugendlichen, sich für das einzusetzen und zu kämpfen, was ihnen wichtig scheint. Egal für welche Richtung und egal wie extrem? So lange es nicht menschenverachtend und gewalttätig ist.
Ich zumindest habe das ja auch gemacht als ich jung war. Aber schon dazumal war die Mehrheit nicht bereit, nur einen winzigen Schritt zu machen. Einmal ernsthaft zuhören und für 5 Minuten zu überlegen. Der Strom kommt immer noch aus der Steckdose und elektrische Flugtaxis fliegen immer noch nicht.

Es hat sich nichts geändert und täglich grüsst das Murmeltier …

blog02
Als das Eis des Rhone Gletschers noch zu sehen war.

Und nur so zur Erinnerung und Auffrischung. Ziemlich genau vor 25 Jahren, am 21. März 1994, trat das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen in Kraft …

Vorgestern habe ich meine x-te Absage seit September 2018 erhalten. Ich mag manchmal schon gar nicht mehr zählen. Immer mehr scheint es so, dass ich meinen eigenen Weg gehe. Meinen eigenen Weg gehen muss und will. Voll Risiko und rock‘n roll. Halt wie es immer schon war. Selbständigkeit ist ja auch das höchste Gut im Leben. Und, ausser man ist stur, ist man nie zu alt dafür …

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Beachvolleyballer, Carrosserie-Ladies, Witwen, SeniorInnen, CEO’s, Bauern.

In den vergangenen Wochen ist wieder viel geschehen. Einerseits konnte ich mit dem Blog «DEINADIEU.CH» einen neuen Kunden dazu gewinnen. Anderseits traf ich die unterschiedlichsten Menschen. Da waren Beachvolleyballer, Carrosserie-Ladies, Witwen, SeniorInnen, CEO’s, Bauern. Spannende Begegnungen, interessante Gespräche. Daraus sind tolle Fotos und Reportagen geworden.
Und natürlich traf ich Bilbo I. Majestät des Antiquitätengeschäfts in Walenstadt, das demnächst zu einem Reden- und Schreibladen wird.

Die neue Technik – noch ist manchmal nicht ganz klar wer die Oberhand hat – ist mega heiss und das zärtlich, hemmungslose Spiel mit meinen spiegellosen und vollformatigen «Z’s» liebe ich.
Immer mehr habe ich sogar manchmal das Gefühl, die Zeit sei einfach nur stehen geblieben und ich die letzten 10 Jahren nur kurz mal in den Ferien gewesen. Selber zu spüren, wie ich beim Fotografieren aufblühe und mein inneres Feuer auf Vollbrand macht, ist bereichernd und ein wunderbares Gefühl. Einfach unbeschreiblich.

Und täglich grüsst ein anderes Murmeltier …

Der Präsident, dessen Namen ich nie in den Mund nehme werde, ist drauf und dran überall neue Mauern zu bauen.
Die eine baut er mit Notrecht, andere baut er mit präsidialen Äusserungen auf und wieder andere errichtet er mit irgendwelchen Zöllen. Und natürlich gibt es für ihn, vor allem jetzt wo er Amerika einmauert, keinen Klimawandel.
Er teilt die Welt in America first mit Mauer und die anderen (Idioten).

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Die Mauer, die Europa teilte - Abschottung, Ausgrenzung und viele Todesopfer ...

Andere (leider die meisten) PolitikerInnen sind nicht viel besser als er. Eine bastelt seit Monaten an einer Exit Strategie, ein anderer stellt Homosexualität unter Todesstrafe, wieder ein anderer schürt Resentiments gegen alles was nicht weiss und katholisch ist und die Schweiz verabschiedet sich klammheimlich vom Sozialstaat.

Und so weiter und so fort. In der Schweiz, Europa und weltweit.
Populismus, Misstrauen, Abschottung, Ausgrenzung, Lobbyismus, in die eigene Tasche wirtschaften und Machterhalt um jeden Preis. Das ist heute die Devise. Ja nicht etwas teilen, für einmal etwas wagen und auf den Anderen zugehen.
Das Recht des Stärkeren. Das Primat der Finanzwelt halt. Aus unseren Demokratien werden Demokraturen.

Und täglich grüsst das Murmeltier …

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Tear down the walls ... (Ronald Reagan, Berlin 12. Juni 1987 - ein wenig abgewandelt von mir)

Das stellte ich mir wirklich anders vor in jenem November 1989, als endlich diese Mauer geöffnet wurde. Dieses Symbol der Trennung Europas von heute auf morgen einfach so zu bröckeln anfing.
Aus Feinden wurden dazumal über Nacht plötzlich Partner. Partner, denen man zwar mit viel Mistrauen begegnete, aber mit denen man wenigstens sprach und denen man wenigstens zuhörte.

Ich bin darüber enttäuscht, was die Mächtigen dieser Welt daraus gemacht haben. Und ich bin enttäuscht, was alles seitdem vermasselt wurde.

Und täglich grüsst das Murmeltier (Originaltitel: Groundhog Day) ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 1993. Bill Murray spielt darin einen arroganten, egozentrischen und zynischen Wetteransager, der in einer Zeitschleife festsitzt und ein und denselben Tag immer wieder erlebt, bis er als geläuterter Mann sein Leben fortsetzen kann.
Regie führte Harold Ramis (Quelle: wikipedia.org).

Hier geht’s zum Trailer.

© 2018 I Ueli Hiltpold I Schützenweg9 I CH-3123 Belp I +41 79 302 11 30 I contact

zurück auf start

Nun ist es also soweit und mein fast 6-jähriges Intermezzo auf dem Flughafen Bern gehört zum Glück der Vergangenheit an und viel neue, spannende Zukunft liegt vor mir …

Was ich in Zukunft machen will ist klar. Ich werde wieder fotografieren, meine Leidenschaft ausleben. Zurück zu meinen Wurzeln. Bilder machen, kreativ sein und Freude haben!

beauty and the beast …

Und trotzdem muss ich mir die Frage nach dem «wie weiter» stellen. Meine Selbständigkeit als Fotograf wieder aufnehmen, voll auf Risiko setzen und alles wagen? Weiterfahren mit der Stellensuche und hoffen, dass es dann schon irgendwann einmal klappt? Mit bald 60 ist das so eine Sache und manchmal habe ich das Gefühl, dass mir die Zeit davonrennt.

Eigentlich wünsche ich mir einen Mix aus angestellt sein und wieder selbständig als Fotograf zu arbeiten. Und natürlich wünsche ich mir nach Jahren der Unsicherheit wieder ein geregeltes Einkommen, Teamwork und manchmal ein wenig Wertschätzung. Leider habe ich aber zwei grosse Mankos, die in der heutigen Zeit schwer wiegen. Ich besitze für all mein Wissen und Können keine Diplome und ich habe einen Lebenslauf mit vielen Brüchen.

Gerade deswegen freue ich mich auf das, was ab heute auf mich zukommt.
Denn ich bringe viel mit. Mich, die notwendige Neugier auf das Leben, viel Motivation und noch mehr Begeisterung.

Der Himmel ist immer blau …

Nach meinem Mountainbike Unfall 2005 dachte ich, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann. Ein totaler Zusammenbruch hat mich 2015 in jeder Beziehung an den äussersten Rand meiner Existenz gebracht. In dieser Zeit lernte ich viele wunderbare Menschen kennen, die einfach da waren. Menschen, die mir halfen und immer noch helfen, längst verloren geglaubte und vergessene Skills wieder zu aktivieren. Dank ihnen bin ich heute dort, wo ich jetzt bin.

Dank dem Bärnerbär konnte ich wieder anfangen, mich in dieser Welt, die ich so liebe und die ich in meinen Gedanken so unendlich vermisst habe, zu bewegen.

Das Ende der Eiszeit naht …

Ich bin dankbar und ich wünsche mir wirklich nicht viel. Alles wird gut und das Ende der Eiszeit naht …


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